Alptraum!!!
So, Zeit mal wieder etwas über die Arbeit im Krankenhaus zu schreiben, z.B. über meine zwei letzten Nächte dort. Erstere habe ich größtenteils in der Notaufnahme verbracht und die vergangene Nacht hatte ich Rufbereitschaft als OP-Assistenz. Die Nacht in der Notaufnahme war diesmal relativ wenig von Gewaltopfern geprägt, aber es war auch kein Wochenende. Es galt jede Menge Babys mit Brechdurchfall zu behandeln, Herzinfarkte zu erraten (die Klebeelektroden fürs EKG waren ausgegangen – Momente in denen man an die Decke gehen möchte), auch Schlangenbisse gab es – diese sind glücklicherweise oft von harmlosen Schlangen. Die anderen Patienten kommen wohl nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus. Da wären wir bei einem ganz großen Problem hier, dem Transportproblem der staatlichen Krankenhäuser. Da kommt nicht unbedingt ein Krankenwagen, wenn man einen Notruf absetzt, so viele gibt’s davon nämlich nicht. Und wenn, kommen sie oft zu spät. Aber auch der Transport von Patienten in Spezialkliniken, nach Hause oder zur Kontrolluntersuchung ein paar Tage später, geht oft schief oder findet erst verspätet statt – sehr frustran. Morgens fährt bei uns immer ein Krankentransport nach Durban in die Unikklinik los, leider oft überfüllt. Das Gefährt ist ein normaler Bus mit gerade mal zwei Liegeplätzen und man kann davon ausgehen, dass die Patienten, die dort mitgeschickt werden durchaus schwerkrank sind. Auch die Betten auf den Stationen reichen oft nicht, deshalb werden in der Notaufnahme auch wirklich nur Patienten eingewiesen, deren Leben akut bedroht ist. Eine Schädelfraktur z.B. welche nicht das Bewusstsein beeinträchtigt, wird zwar noch ein Weilchen beobachtet, geht dann aber bald nach Hause (für die Mediziner: CT gibt’s erst ab GSC 12). Die Wartezeiten in der Notaufnahme betragen oft viele Stunden, es wird eigentlich alles der Reihe nach abgearbeitet. Nur Patienten, die nicht mehr schreien können, werden mitunter vorgezogen. Aber nun genug von diesem Alptraum für Arzt und Patienten. Kommen wir zu meiner Rufbereitschaft. Gegen 3 wurde ich wegen einer Schussverletzung rein gerufen. Wie vermuten, dass es einen Einbrecher getroffen hat. Der Schuss ging einmal quer durch Lunge, Zwerchfell, Magen, Leber und Gallenblase. Die OP hat etwa 4 h gedauert. Der Bluterguss in der Lunge wurde bereits in der Notaufnahme drainiert (wo der Patient schon einige Stunden verbracht hat, bevor sich für eine OP entschieden wurde). Der Magen musste eigentlich neu rekonstruiert werden, es fand eine Leberteilresektion und eine Entfernung der Gallenblase statt. Die letzte Mahlzeit des Angeschossenen musste in der ganzen Bauchhöhle zusammengesucht werden (dummerweise Reis) und natürlich diverse Blutungen gestillt werden. Glücklicherweise standen genug Blutkonserven und ein Bett auf der Intensivstation zur Verfügung. Man bekommt hier also einiges zu sehen, zumal man die einzige Assistenz im OP ist. Übrigens hatte der operierende Arzt noch nicht mal eine Facharztqualifikation – undenkbar in Deutschland. Wir sprechen hier jedoch von einem staatlichen Krankenhaus, jeder Patient bezahlt am Anfang etwa zwei Euro (ein Vermögen für viele hier) und erhält nur das Nötigste. Deutsches Gesundheitssystem hin oder her – in dem Fall ist es mir eindeutig das Liebere!

0 Comments:
Kommentar veröffentlichen
<< Home