Vom 06.12.06 bis zum 04.04.07 arbeite ich im Rahmen meines Studiums in der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses in Port Shepstone. Was ich dort und überhaupt in Südafrika erlebe, erfahrt Ihr hier…

Mittwoch, Februar 28, 2007

Liebe Gruesse!

Am Wochenende war ich mit ein paar Leuten aus der Umgebung in Sodwana Bay tauchen. Dieses Tauchgebiet gehört zu den weltweit zehn Schönsten. Am Freitag gings in aller Frühe los, denn die fahrt dort hin dauert etwa 5 h von hier. Am Samstag waren zwei Tauchgänge unter traumhaften Wetterbedingungen, am Sonntag noch einer, den ich eher unter Übungstauchgang verbuchen würde. Der Ozean war recht aufgewühlt, sicher auch wegen der großen Unwetter in Mozambique.

Dir restliche Zeit vergeht hier sehr schnell. Mittlerweile haben wir doch recht viele Menschen kennen gelernt und der baldige Abschied fällt uns jetzt schon schwer. Das kommende Wochenende wollen Steffi und ich im Hluhluwe-Nationalpark verbringen.

Übrigens haben wir hier gerade eine große Hitzewelle. Gestern waren es 37°C im Schatten. Ohne den fast steten Wind vom Meer, wäre es unerträglich.

Die Arbeit im Krankenhaus war heute sehr frustrierend - diverse wichtige Medikamente und Untersuchungsergebnisse waren einfach nicht zu bekommen. Das Schlimme ist, das das alles nur durch mangelndes Organisationsvermögen kommt, nicht etwa durch Geldmangel oder so.

Mittwoch, Februar 21, 2007

Alptraum!!!

So, Zeit mal wieder etwas über die Arbeit im Krankenhaus zu schreiben, z.B. über meine zwei letzten Nächte dort. Erstere habe ich größtenteils in der Notaufnahme verbracht und die vergangene Nacht hatte ich Rufbereitschaft als OP-Assistenz. Die Nacht in der Notaufnahme war diesmal relativ wenig von Gewaltopfern geprägt, aber es war auch kein Wochenende. Es galt jede Menge Babys mit Brechdurchfall zu behandeln, Herzinfarkte zu erraten (die Klebeelektroden fürs EKG waren ausgegangen – Momente in denen man an die Decke gehen möchte), auch Schlangenbisse gab es – diese sind glücklicherweise oft von harmlosen Schlangen. Die anderen Patienten kommen wohl nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus. Da wären wir bei einem ganz großen Problem hier, dem Transportproblem der staatlichen Krankenhäuser. Da kommt nicht unbedingt ein Krankenwagen, wenn man einen Notruf absetzt, so viele gibt’s davon nämlich nicht. Und wenn, kommen sie oft zu spät. Aber auch der Transport von Patienten in Spezialkliniken, nach Hause oder zur Kontrolluntersuchung ein paar Tage später, geht oft schief oder findet erst verspätet statt – sehr frustran. Morgens fährt bei uns immer ein Krankentransport nach Durban in die Unikklinik los, leider oft überfüllt. Das Gefährt ist ein normaler Bus mit gerade mal zwei Liegeplätzen und man kann davon ausgehen, dass die Patienten, die dort mitgeschickt werden durchaus schwerkrank sind. Auch die Betten auf den Stationen reichen oft nicht, deshalb werden in der Notaufnahme auch wirklich nur Patienten eingewiesen, deren Leben akut bedroht ist. Eine Schädelfraktur z.B. welche nicht das Bewusstsein beeinträchtigt, wird zwar noch ein Weilchen beobachtet, geht dann aber bald nach Hause (für die Mediziner: CT gibt’s erst ab GSC 12). Die Wartezeiten in der Notaufnahme betragen oft viele Stunden, es wird eigentlich alles der Reihe nach abgearbeitet. Nur Patienten, die nicht mehr schreien können, werden mitunter vorgezogen. Aber nun genug von diesem Alptraum für Arzt und Patienten. Kommen wir zu meiner Rufbereitschaft. Gegen 3 wurde ich wegen einer Schussverletzung rein gerufen. Wie vermuten, dass es einen Einbrecher getroffen hat. Der Schuss ging einmal quer durch Lunge, Zwerchfell, Magen, Leber und Gallenblase. Die OP hat etwa 4 h gedauert. Der Bluterguss in der Lunge wurde bereits in der Notaufnahme drainiert (wo der Patient schon einige Stunden verbracht hat, bevor sich für eine OP entschieden wurde). Der Magen musste eigentlich neu rekonstruiert werden, es fand eine Leberteilresektion und eine Entfernung der Gallenblase statt. Die letzte Mahlzeit des Angeschossenen musste in der ganzen Bauchhöhle zusammengesucht werden (dummerweise Reis) und natürlich diverse Blutungen gestillt werden. Glücklicherweise standen genug Blutkonserven und ein Bett auf der Intensivstation zur Verfügung. Man bekommt hier also einiges zu sehen, zumal man die einzige Assistenz im OP ist. Übrigens hatte der operierende Arzt noch nicht mal eine Facharztqualifikation – undenkbar in Deutschland. Wir sprechen hier jedoch von einem staatlichen Krankenhaus, jeder Patient bezahlt am Anfang etwa zwei Euro (ein Vermögen für viele hier) und erhält nur das Nötigste. Deutsches Gesundheitssystem hin oder her – in dem Fall ist es mir eindeutig das Liebere!

Mittwoch, Februar 14, 2007

Ein gerader Weg führt nur ans Ziel…

Vom 27.01. bis 13.02.07 war ich mit Hanno und Björn im Lande unterwegs. Mit „Mango-Airlines“ gings zuerst nach Kapstadt - eine schöne Stadt mit viel Flair.

Blick vom Hafen auf den Tafelberg:
















Hier hat uns die schöne Musik in eine Blechhütte gezogen und schwups fanden wir uns in einem schwungvollen Gottesdienst wieder:

















Von Kapstadt gings weiter zum Kap der guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt des afrikanischen Kontinenten. Anfangs haben wir uns noch über einige seltsame Straßenschilder bezüglich der Anwohner gewundert, aber die erklärten sich dann bald von selbst.














































Dann wollten wir natürlich noch sehen, wie der Indische auf den Atlantischen Ozean trifft – also auf nach Kap Agulhas, dem nun wirklich südlichsten Punkt hier. Unterwegs haben wir noch viel Freude an Delphinen gehabt und einen großen Stachelrochen haben wir auch entdeckt.











































Weiter gings dann nach Oudtshoorn. Hier gibt es hunderttausende von Straussen und die atemberaubenden Cango Caves – riesige Tropfsteinhöhlen, in denen wir bei einer „Adventure-Tour“ ne Menge Spaß hatten.







































Dann fuhren wir nach Cape St. Francis/ Jeffreys Bay und von dort in den Addo Elephant National Park. Hier standen aufregende Tierbeobachtungen auf dem Programm.























































Weiter gings an der Küste bis nach Chintsa und dann nach Coffee Bay. Hier hatten wie Gelegenheit, das Volk der Xhosa näher kennen zu lernen. Unter anderem brachte uns ein doch sehr heftiger Regenschauer in die Hütte der „Heilerin“.





















































Nach einem kurzen Stopp in Port Shepstone fuhren wir weiter in den Norden. Im Hluhluwe-Umfolozi-Nationalpark haben wir dann unter anderem Nashörner, Büffel, Giraffen, Hyänen, Krokodile und sogar einen Geparden (leider nicht digital festgehalten) entdecken können.






























































Als nördlichsten Punkt unserer Reise hatten wir uns das Königreich Swaziland ausgeguckt – ein sehr liebenswertes Land. Als Großereignis fand gerade ein Fußballspiel zwischen den Royal Leopards und einer südafrikanischen Mannschaft statt.































Endpunkt unserer wirklich sehr schönen Reise, bei der wir rund 4850 km im Auto zurückgelegt haben, war natürlich wieder „Sheppie“. Viele der kurz angerissenen Geschehnisse wären es wert, ganze Seiten zu füllen, na ja – vielleicht später mal.

Vielen Dank an Björn für die zur Verfügung gestellten Fotos.