Vom 06.12.06 bis zum 04.04.07 arbeite ich im Rahmen meines Studiums in der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses in Port Shepstone. Was ich dort und überhaupt in Südafrika erlebe, erfahrt Ihr hier…

Freitag, Dezember 15, 2006

Alltag

Mittlerweile haben wir uns ganz gut hier eingelebt. Morgens fangen wir um 8 Uhr im Krankenhaus an. Das chirurgische Team besteht aus 9 Ärzten (5 Inder, 1 Zulu, 1 Pole, 2 weiße Südafrikaner), die meisten sind noch recht jung und alle sind sehr nett zu uns. Bei kleineren chirurgischen Eingriffen durften wir schon assistieren. Vieles was in Deutschland stationär operiert wird, wird hier ambulant erledigt. Stationär aufgenommen werden nur Schwerkranke und auch die werden nach den nötigsten Maßnahmen sehr schnell wieder entlassen – aber, es scheint zu funktionieren. Bsp.: Gestern Messerstich in die Lunge mit Pneumothorax –Wundversorgung, Drainage, heute - Mobilisierung, morgen – Entlassung, Terminvergabe zur Kontrolle.
Einmal wöchentlich ist „Academical ward round“: Der Chefarzt nutzt die Chefvisite zum praxisnahem Unterricht am Krankenbett und erklärt interessante Krankheitsbilder genau und weist auf zu bedenkende Probleme bei der Therapie usw. hin – wirklich sehr lehrreich, anschaulich und oft auch witzig.
Den OP-Trakt konnten wir mittlerweile auch schon erkunden: Wenn man sieht, wie manches im Vergleich zu Deutschland doch recht einfach gehandhabt wird und trotzdem funktioniert, muss man sehr schmunzeln, wenn man an deutsche OP-Rituale denkt.
Am Mittwoch sind wir in unsere Wohnung eingezogen. Unsere Vermieter sind sehr lieb und hilfsbereit und die Wohnung enthält wirklich alles was man so braucht und noch viel mehr.
Für etwa 120 € pro Person wohnen wir jetzt direkt in Port Shepstone. Was nervt, aber wirklich nötig ist, sind die Sicherheitsvorkehrungen. Alle Häuser sind hier von großen Mauern umgeben, die Fenster sind vergittert und ab spätestens 19.00 kann man nicht mehr auf die Strasse. Selbst kürzere Wege erledigt man nicht zu Fuß und das Auto wird von innen verriegelt. Nachts scheint hier Krieg zu herrschen – wir sehen jeden Tag die Opfer bei uns im Krankenhaus (Stich-, Schlag- und Schussverletzungen) – besonders die Armen können sich nicht vor der Gewalt schützen.
Tagsüber scheint alles friedlich in Port Shepstone.

Ambulante OP auf afrikanisch













Die Stationen bestehen zumeist aus 4-Bett-Zimmern.















Neulich war der Strand voll von diesen lustigen Quallen, die können sich richtig zu kleinen Segeln aufplustern:














Unsere Wohnung mit Aussicht auf den Indischen Ozean: