Vom 06.12.06 bis zum 04.04.07 arbeite ich im Rahmen meines Studiums in der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses in Port Shepstone. Was ich dort und überhaupt in Südafrika erlebe, erfahrt Ihr hier…

Mittwoch, Dezember 27, 2006

Von tauchenden und gestreiften Pferden…

Samstagnachmittag machten wir uns auf die Suche nach Flusspferden im Ivungo-River. Wir konnten ihre Spuren entdecken und viele andere Tiere, aber sie wollten einfach nicht auftauchen – vielleicht ganz gut so, schließlich gelten sie als die gefährlichsten Säugetiere Afrikas und haben mehr Menschen auf dem Gewissen, als alle anderen Wildtiere hier.
Am Abend haben wir uns dann in Begleitung Einheimischer ins Nachtleben in Margate gestürzt.














Da wir nun am 24. nicht traurig Zuhause herumsitzen wollten, haben wir einen Abstecher ins Vernon Crookes Nature Reserve unternommen. Schaut mal, wie nah wir an die Zebras und Gnus ran gekommen sind:


















Mittlerweile haben die Chirurgen erkannt, dass wir aufgrund unseres Wohnortes sehr schnell vor Ort sein können. Und so bekamen wir über die Feiertage einige interessante OPs zu sehen.

Samstag, Dezember 23, 2006

Weihnachten

Eigentlich fängt ja morgens um acht die Visite an. Aus zweiwöchiger Erfahrung weiß ich, dass ich gar nicht vor 8.15 da sein muss. Pünktlichkeit ist die Kunst abzuschätzen um wie viel sich die Anderen verspäten. Gestern kamen alle Ärzte unabhängig voneinander fast ne Stunde zu spät. „Hey, its Xmas and Friday as well“. Diese Urlaubsstimmung ist zur Zeit im ganzen Krankenhaus zu spüren, z.B. steht das MRT still, weil der befundene Radiologe Urlaub macht. Ansonsten werden die chirurgischen Stationen geleert und keine elektiven Operationen bis zum 8. Januar angesetzt, um auf Notfälle reagieren zu können. Angeblich soll zwischen Weihnachten und Neujahr Hochsaison für Kriminalitätsdelikte aller Art sein. Übrigens haben wir zwei chirurgische Stationen (Männlein + Weiblein) mit zusammen etwa 50 Betten.
Als eine Art Weihnachtsfeier hat das Chirurgenteam dann zum Mittagessen gegrillt. Danach gings wieder in den OP und wir durften assistieren. Die Nacht zum Samstag haben wir wieder in der Notaufnahme verbracht. Unter anderem kam ein Kind mit Tollwut – ein für uns recht fremdes Krankheitsbild. Ansonsten hieß es wieder nähen, nähen, nähen.

FROHE WEIHNACHTEN EUCH ALLEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Guckt mal wie liebevoll unsere ♂- Station geschmückt ist:


Donnerstag, Dezember 21, 2006

Wir sind die Regenmacher?

So, damit Euch mein Schreibstil nicht über wird, schreibt zur Abwechslung mal Steffi:

Nachdem es am Wochenende wieder ausgiebig geregnet hatte, sah der Montag doch recht verheißungsvoll aus. Nachmittags hatten wir Zulu-Unterricht Lektion 2. Wichtiges Krankenhaus-Vokabular: Wena udubuliwe/uguasiwe? – wurde auf Dich geschossen/eingestochen? Tula, mama/baba/sissi/fueto si sokusisa. –Ganz ruhig, ... wir helfen Dir. Den Unterricht wegen Mückenstichen und Regen abgebrochen.
Dienstag wollten wir auf einen indischen Jahrmarkt. Unser fürsorglicher Vermieter war vormittags hingefahren und hat mit dem Veranstalter telefoniert. Wegen heftigen Regens wurde die Veranstaltung vorzeitig beendet… Heute, Mittwoch, Mardi gras, also Karneval, in Margate, Urlauberhochburg der Südafrikaner. Extra früh da gewesen für beleuchteten und sicheren Parkplatz (unsere Vermieter markieren mit Textmarkern für uns geeignete Veranstaltungen in den Tageszeitungen). Pünktlich zu Veranstaltungsbeginn heftiger Regen. Diesmal tatsächlich Schirme gekauft. Viel Kitsch an Ständen, aber unser erster Versuch, abends mal wegzugehen. (Steffi)

Zulu-Stunde mit Patrick:



Montag, Dezember 18, 2006

Zwischen Paradies und Wahnsinn

Am Freitag wurden wir von unseren Vermietern ( Ina & Colin) zum „Braai“ eingeladen. Man versammelt sich rund um einen Grill und während das Essen vor sich hin brutzelt, wird gequatscht und getrunken.

Am Samstag waren wir im „Lake Eland Game Reserve“. Das ist ein wunderschöner Nationalpark, gleich bei uns in der Nähe. Wir konnten viele Tiere beobachten: Giraffen, Zebras, Springböcke, Touristen, Gnus, Antilopen, bunte Vögel u.v.m..

Samstagnacht haben wir in der Notaufnahme verbracht. Wie schon erwähnt steigt hier in der Dunkelheit die Anzahl der zwischenmenschlichen Nichtnettigkeiten sprunghaft an und der Laden brummte. Wir haben in den paar Stunden sehr viel beigebracht bekommen – die 3 Ärzte dort handelten wirklich nach dem Prinzip „See one, do one, teach one“. Wir haben einige Stichwunden versorgen können, haben bei der Reponierung von gebrochenen Knochen helfen können, beim Eingipsen und natürlich haben wir auch viel zugeguckt. Denn die Diagnostik läuft hier doch recht klinisch ab, d. h abhängig von den Symptomen, und da wird man in Deutschland nicht so geschult. So gibt es z. B. i. d. R. keine Apparatediagnostik bei Stichwunden in den Bauch oder Rücken. Die angerichteten Schäden werden anhand der Symptome festgemacht. Also kein CT, kein Ultraschall, nur die nötigsten Laborwerte. Bei Knochenbrüchen wurde dann aber doch meist geröntgt.
Die eingelieferten Fälle waren recht vielfältig: Opfer von Überfällen, Vergewaltigungen und Autounfällen. Es waren viele Stichwunden im Gesicht zu behandeln, einige Schusswunden gabs auch wieder. Aber es kamen auch ganz „normale“ internistische Notfälle und wir haben zum ersten Mal ne ausgeprägte Meningitis gesehen. Faszinierend war wirklich, welch ein breites Wissensspektrum die doch recht jungen Ärzte hatten.

Vielleicht noch ein Wort zu Trompetenvögeln (?). Nein, hier wird man nicht angenehm von Vogelgezwitscher geweckt. Die Vögel machen hier richtig Krach. Mit einer Mischung aus Krähengekrächze und Elefantengetröte rauben uns diese Monstervögel in aller Frühe unseren Schlaf. Foto folgt.

Unser Krankenhaus:
















Lake Eland Game Reserve:



Freitag, Dezember 15, 2006

Alltag

Mittlerweile haben wir uns ganz gut hier eingelebt. Morgens fangen wir um 8 Uhr im Krankenhaus an. Das chirurgische Team besteht aus 9 Ärzten (5 Inder, 1 Zulu, 1 Pole, 2 weiße Südafrikaner), die meisten sind noch recht jung und alle sind sehr nett zu uns. Bei kleineren chirurgischen Eingriffen durften wir schon assistieren. Vieles was in Deutschland stationär operiert wird, wird hier ambulant erledigt. Stationär aufgenommen werden nur Schwerkranke und auch die werden nach den nötigsten Maßnahmen sehr schnell wieder entlassen – aber, es scheint zu funktionieren. Bsp.: Gestern Messerstich in die Lunge mit Pneumothorax –Wundversorgung, Drainage, heute - Mobilisierung, morgen – Entlassung, Terminvergabe zur Kontrolle.
Einmal wöchentlich ist „Academical ward round“: Der Chefarzt nutzt die Chefvisite zum praxisnahem Unterricht am Krankenbett und erklärt interessante Krankheitsbilder genau und weist auf zu bedenkende Probleme bei der Therapie usw. hin – wirklich sehr lehrreich, anschaulich und oft auch witzig.
Den OP-Trakt konnten wir mittlerweile auch schon erkunden: Wenn man sieht, wie manches im Vergleich zu Deutschland doch recht einfach gehandhabt wird und trotzdem funktioniert, muss man sehr schmunzeln, wenn man an deutsche OP-Rituale denkt.
Am Mittwoch sind wir in unsere Wohnung eingezogen. Unsere Vermieter sind sehr lieb und hilfsbereit und die Wohnung enthält wirklich alles was man so braucht und noch viel mehr.
Für etwa 120 € pro Person wohnen wir jetzt direkt in Port Shepstone. Was nervt, aber wirklich nötig ist, sind die Sicherheitsvorkehrungen. Alle Häuser sind hier von großen Mauern umgeben, die Fenster sind vergittert und ab spätestens 19.00 kann man nicht mehr auf die Strasse. Selbst kürzere Wege erledigt man nicht zu Fuß und das Auto wird von innen verriegelt. Nachts scheint hier Krieg zu herrschen – wir sehen jeden Tag die Opfer bei uns im Krankenhaus (Stich-, Schlag- und Schussverletzungen) – besonders die Armen können sich nicht vor der Gewalt schützen.
Tagsüber scheint alles friedlich in Port Shepstone.

Ambulante OP auf afrikanisch













Die Stationen bestehen zumeist aus 4-Bett-Zimmern.















Neulich war der Strand voll von diesen lustigen Quallen, die können sich richtig zu kleinen Segeln aufplustern:














Unsere Wohnung mit Aussicht auf den Indischen Ozean:




Montag, Dezember 11, 2006

Saowonna!!!

Den gestrigen Regentag haben wir genutzt, um uns von Patrick, einem Zulu, Grundkenntnisse in seiner Sprache anzueignen. Ich glaub, er hatte viel Spaß daran, wie wir uns, an uns unbekannten Klick- und Schnalzlauten, die Zunge verrenkten.

Heute brannte die Sonne zur Abwechslung mal wieder africalike vom Himmel herab und dann war ja noch unser 1. Arbeitstag. Der lief eigentlich wie in Deutschland auch: Der für uns zuständige Mensch war nicht da, wir wurden etliche Male zwischen den Ärzten rumgereicht und dann in die chirurgische Visite rein geschoben. Die war dann auch sehr interessant – die ersten beiden Zimmer waren nur mit Schussverletzten belegt, dann folgten viele gewohnte Krankheitsbilder, nur in viel ausgeprägterer Form als in Deutschland und die Stationsärzte (ein indischer und ein weißer Südafrikaner) erklärten uns auch gleich recht viel. Die Patienten waren zu 90% Zulus. Irgendwann bekamen wir auch den chirurgischen Chefarzt zu sehen. Der hat erstmal sämtliche Verbote für uns runtergerattert. Keine Turnschuhe (Sandalen sind aber seltsamerweise in Ordnung), keine Jeans, keine Shirts (Blusen erwünscht!), kein OP in der ersten Woche und nichts Spitzes anfassen (witzig bei einem chirurgischen Praktikum, oder? Na ja, da reden wir noch mal mit ihm; beim OA in der Notaufnahme dort dürfen wir ja z.B. auch nähen). Insgesamt ist das Krankenhausgelände ein doch recht großer Komplex. Obwohl baulich etwas heruntergekommen, machte das vom Personal verwendete Equipement einen recht modernen Eindruck.

Die Wohnungssuche gestaltete sich einfacher als gedacht. Ab Mittwoch wohnen wir günstig bei einem älteren Ehepaar, was auf seinem (sehr, sehr gesicherten) Grundstück mehrere kleine Wohnungen komplett eingerichtet hat und an einige junge Leute vermietet. Auch die Außenanlagen mit Blick aufs Meer dürfen wir mit benutzen (Pool, Grill und andere nicht ganz überflüssige Nettigkeiten).

Eine südafrikanische Handynummer, für unser social life hier, haben wir jetzt auch – bei Bedarf bitte erkundigen.

Samstag, Dezember 09, 2006

Regen, Regen, Regen…

Wer hätte das gedacht: Seit unserer Ankunft regnet und gewittert es hier fast ununterbrochen.
Gestern konnten wir einen kleinen Eindruck vom Krankenhaus bekommen, wo wir ab Montag arbeiten werden. Es gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Wir wurden erstmal auf Waffen kontrolliert und von Wachpersonal zur für uns zuständigen Sekretärin eskortiert. Diese war dann sehr freundlich. Montag 7.30 geht’s los.
Danach sind wir nach Durban gefahren, um uns an der dortigen Uni einzuschreiben. Durban ist eine Dreimillionenstadt, welche verkehrstechnisch vorrangig aus sechsspurigen Einbahnstrassen besteht – aber über das Autofahren und die hiesige Unbekanntheit von Verkehrsregeln möchte ich mich nicht weiter ausgelassen. Zeit zum Sightseeing blieb natürlich auch.

Heute haben wir uns, in der Hoffnung auf schönes Wetter, zum Oribi-Gorge-Nationalpark aufgemacht. Leider konnten wir ihn dann aufgrund der starken Regenfälle erstmal doch nur per Auto erkunden. Aber auch aus dem Auto konnte man die schöne Landschaft genießen und Schlangen, Eisvögel u. a. entdecken. Und da wir uns gefragt haben, was uns denn da so für bunte Schlangen über den Weg gekrochen sind und welche denn nun gefährlich sind, sind wir in eine Art Schlangen- und Reptilienzoo gefahren. Da konnte man von A wie Anakonda bis Z wie Zwergkrokodil alles anschauen.







Donnerstag, Dezember 07, 2006

Endlich da!

Unerforschte Gebiete liegen vor uns und in freudiger Erwartung vieler Abenteuer machten wir uns unerschrocken auf den Weg in die Ferne. Nichts wird sein wie vorher – denn jetzt kommen wir!!!

Sorry, wenn der Nikolaus nicht mehr vorbei gekommen ist:

















Nichts ist schöner als Linksfahrerei! Vom Autoverleih direkt auf die Autobahn – was fürn Spass - nachdem wir die Südafrikaner mit unserer Fahrweise ins Schwitzen gebracht haben, wurden wir durch dieses schöne Panorama vor unserem Zuhause der nächsten Tage entschädigt. Wir wohnen vorübergehend in einem Hostel, bis wir ne Wohnung oder so gefunden haben. Davon auch ein Foto – das blaue Etwas ist unser entliehender VW-Chico.



Montag, Dezember 04, 2006

*Freu*

Hey, nun ist es endlich so weit. Pünktlich zwei Tage vor Abflug halten wir unser Visum in den Händen! Und weil Abschiede auch schön sind, hier ein schönes Gedicht von Herrn Hesse:


STUFEN

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,

der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!