Vom 06.12.06 bis zum 04.04.07 arbeite ich im Rahmen meines Studiums in der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses in Port Shepstone. Was ich dort und überhaupt in Südafrika erlebe, erfahrt Ihr hier…

Donnerstag, April 05, 2007

Wir sind zurück. Nach dem ersten Kälteschock gings für Steffi erstmal nach Berlin und für mich nach Witten. Über die Feiertage bin ich dann noch in Magdeburg/ Wolmirstedt. Mein Innere-Tertial verbringe ich ab kommender Woche in Quedlinburg - eine Stadt, deren Altstadt als Weltkulturerbe eingestuft wurde. Vielleicht sehen wir uns ja dort mal!

Vielen Dank an meine Leser und Eure Unterstützung durch Mails, Anrufe, Besuche u.Ä. - ich hab mich immer sehr gefreut. Passt auf Euch auf und schaut mal gelegentlich auf meine Seite. Ende des Jahres z.B. gehts evt. nach Äthiopien.

Samstag, März 31, 2007

Abschied II

Nun heißt es Abschied nehmen von Sheppie. Die Menschen hier machen es einem nicht wirklich einfach. Unter anderem haben Ina und Collin am Donnerstag noch eine kleine Abschiedsparty für uns gegeben und meinten wir seien ihnen wie eigene Kinder ans Herz gewachsen. Auch unseren Mikrokosmos Krankenhaus hier werden wir auf die eine oder andere Art vermissen. Am Freitag sollte es eigentlich mit der „Mobil Clinic" aufs Land gehen. Nachdem die „fahrende Medikamentenschachtel" letzte Woche kaputt war, ist diesmal ein Auto des Medizinkonvois in den durch den Regen aufgeweichten Schlaglochaneinanderreihungen stecken geblieben, worauf die Krankenschwestern die Weiterfahrt verweigerten. So wurde es auch an unserem letzten Arbeitstag leider nichts. Ansonsten würde sich Gayle, die Tochter unserer Vermieter, welche bei einer kirchlichen Hilfsorganisation hier arbeitet, sehr über Spenden aller Art zur Unterstützung zahlreicher verschiedener Projekte freuen (Kinderheime für Aidswaisen, Existenzgründung für Slumbewohner, Unterrichtung von Analphabeten, Möglichkeiten zur Ausbildung und Weiterbildung für Menschen die (noch) nichts haben u.v.m.). Für Fragen hierzu und Material zu den verschiedenen Projekten stehe ich jederzeit gern zur Verfügung. Bis Dienstag sind wir nun noch in Durban – wir müssen noch ein bisschen Papierkram an der Uni erledigen.

Dienstag, März 27, 2007

Countdown

So, noch eine Woche – dann geht unser Flieger gen Heimat. Steffi reist gerade noch ein wenig mit ihrer Ma rum, welche mit uns zurück fliegt. Ich versuche in dieser Woche noch soviel wie möglich an „medihandwerklichen“ Fähigkeiten im Krankenhaus mitzunehmen. Samstag- und Sonntagnacht habe ich wieder zu einem großen Teil in der Notaufnahme verbracht. Gestern hab ich den ganzen Tag im OP assistiert – das schlaucht ganz schön, wenn man die Nächte davor nicht vollständig im Bett verbracht hat. Aber wir sind ja schließlich nicht zum Urlaub hier, oder :) ?

Donnerstag, März 22, 2007

Was der Mond so alles anstellt…

Die angekündigten Flutwellen hatten eine Höhe von 6 m. Und obohl die Warnungen vorm „Tsunami“ schon vier Tage vorher überall zu hören waren, hat keiner etwas unternommen, um sein Hab und Gut zu schützen. Im Gegenteil, die Menschen sind zum eigentlich nicht mehr vorhandenen Strand gefahren, um alles hautnah mit zu erleben. Das man feuchte Wohnungen durch ein paar Sandsäcke mitunter verhindern kann, scheint hier unbekannt zu sein. Unsere geplanten Tauchgänge wurden natürlich abgesagt. Die hohen Wellen (seit 20 Jahren die schlimmsten hier), sind wohl Ergebnis eines Zyklons vor Mozambique und dem Zusammentreffen von Flut und dem in einer Reihe stehen von Sonne, Mond und Erde. Auf den Fotos sieht man die Strandverwüstung und man bekommt vielleicht einen kleinen Eindruck von den Wellen hier. Dann bin ich noch mit einem anderen Strandgut zu sehen. Keine Angst, das ist keine Gift-, sondern nur eine kleine Würgeschlange. Ansonsten hatten wir viel Spaß beim Billard, aber leider keine Chance gegen Ricky zu gewinnen. Der zu erledigende Papierkram im Krankenhaus ist hier ähnlich schlimm, wie in Deutschland. Heute, am 21.03.07, ist Feiertag hier – Tag der Menschenrechte. Das ist ja im Ansatz schon mal ganz gut.









































































Montag, März 19, 2007

Besuch bei den Buschbabies

Am Wochenende waren wir mit einer dt. Famulantin in den Bushlands. Freitagnacht sind wir mit einem Ranger durch den Busch gewandert und am Samstag gings dann in den Hluhluwe/ Umfolozi-Nationalpark. Dieser ist ca. 96.000 ha groß und ist mit über 120 Jahren einer der ältesten Parks hier. Die Landschaft ist wunderschön und es ist einfach faszinierend, Tiere, welche man als Kind traurig im Zoo herumstehen gesehen hat, in fast freier Natur zu beobachten. Elefanten in Riesenherden, rennende Giraffen, umher fliegende Adler… Leider blieb es uns diesmal verwehrt, eine der großen Katzen zu sehen. Dafür ist uns aber eine riesige Büffelherde über den Weg gelaufen und auch Giraffen, Paviane, Zebras, Nashörner u.v.m. können mich immer noch begeistern. Beinahe hätten wir auch noch die Nacht im Park verbringen müssen. Da so viele Tiere einfach zu fotogen am Wegesrand standen, kamen wir erst genau eine Minute vor Torschluss am Parkausgang an.

Afrikanische Weite:

















Buschbaby:

















Wenn man möchte oder auch mal dringend muss, darf man auch aussteigen:

















Das ist eine Giraffe:

















Fressendes Warzenschwein oder „radio-controlled pig“ (weil sie ihren Schwanz beim Laufen antennenartig aufrichten):




















Kaffernbüffel:






























Namensgeber unserer Fußgängerüberwege:

















Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind rein zufällig:

















Gnu:

















Breitmaulnashorn:






















Wenn unsere Autovermietung wüsste, was wir unserem Chico so antun …



















































Am Mittwoch ist hier Feiertag (Tag der Menschenrechte) und eigentlich wollten wir tauchen gehen, aber es wurde ein Tsunami für Dienstag angesagt und da werden wir erstmal abwarten.

Wie erwartet, dürfen wir nun doch wieder Rufdienste für den OP machen. Unser Chefarzt ist für den Rest unseres Aufenthaltes im Urlaub – unsere hübschen Blusen bleiben jetzt im Schrank und wir wechseln wieder zu sommerlicheren Oberteilen und Jeans. Steffi und ich stehen regulär an den OP-Tagen als Assistenz im Plan und unsere Oberärzte sind durch geschickt verteilte Knoppers, Toffifees u. Ä. etwas lehrfreudiger geworden.

Dienstag, März 13, 2007

Mal wieder Tiere...

Heute gibt’s mal ein paar schöne Fotos von Kaffeekirschen (leider werden die hier fast nur zu Pulverkaffer verarbeitet - grausig), Giraffen, einem Krokodil und einem Löwen. Das Löwenfoto musste ich mir von meinen Eltern ausleihen, welche die letzten drei Tage bei mir verbracht haben, denn ich hatte bei meinen Safaris bisher kein Löwenglück. Aber vielleicht nächstes Wochenende. Da wollen wir, nachdem es vorletztes Wochenende nicht geklappt hat, in den Hluhluwe-Nationalpark.



Samstag, März 10, 2007

Mal wieder was zum Kopfschütteln.

Meine persönlichen Highlights in der vergangenen Woche waren eine allein durchgeführte Zehamputation und das Annähen zweier fast vollständig abgetrennter Finger. Bei letzterem hätten die Handchirurgen in Deutschland sicherlich die Hände überm Kopf zusammengeschlagen. Hier fand das ganze gestern in der Notaufnahme statt und diente nur zur Fixierung der Finger bis der Patient am Montag (ja 3 Tage später) regulär von den Orthos behandelt werden kann. Vom Rufbereitschaftsplan wurden wir zumindest offiziell wieder gestrichen, weil wir das als Studenten eigentlich noch nicht dürfen (das hat die letzten Monate aber auch nicht gestört). Dafür steht an einigen Tagen jetzt kein OP-Assistent drin, was auch nicht erlaubt ist. Mal sehen, wie dieses Problem gelöst wird. Wahrscheinlich gar nicht und dann wird im Fall der Fälle erstmal rumtelefoniert, wer denn nun mitten in der Nacht kommt oder die leicht überforderte OP-Schwester erlangt plötzlich neue Qualifikationen. Arme Patienten. Der Mensch ist eben oft nicht Mittelpunkt, sondern Mittel. Punkt.



Montag, März 05, 2007

Menschen mit Phantasie langweilen sich nie…


Samstag waren wir mit Patrick im Oribi George wandern. Ziel waren die Hoopoe-Wasserfälle. Insgesamt 7 km – das klang ja gar nicht so schlecht. Letztendlich haben wir aber sage und schreibe über 5 h dafür gebraucht. Aber es hat sich wirklich gelohnt.

Landschaft und Leute:

































































































Einige interessante Gewächse und Tiere:




























































Und nun ein Kampf zwischen einer Wasserschlange und einem Frosch:
































Ansonsten hat uns unser Chefarzt jetzt für würdig befunden, regulär im Dienstplan zu stehen. Sonst haben sich unsere Rufbereitschaften immer aus dem Fehlen anderer ergeben.

Gerade jetzt, wo alles so gut läuft und man eigentlich voll integriert ist (sprachlich, gesellschaftlich, medihandwerklich…) rast die Zeit hier davon und die Zeit des Büffelns fürs Staatsexamen naht in erschreckendem Tempo und auch die Doktorarbeit will noch vollendet werden… Okay, wir haben hier nicht wirklich Mitleid verdient (obwohl der ständige Sonnenschein hier auch sehr anstrengend ist).

Mittwoch, Februar 28, 2007

Liebe Gruesse!

Am Wochenende war ich mit ein paar Leuten aus der Umgebung in Sodwana Bay tauchen. Dieses Tauchgebiet gehört zu den weltweit zehn Schönsten. Am Freitag gings in aller Frühe los, denn die fahrt dort hin dauert etwa 5 h von hier. Am Samstag waren zwei Tauchgänge unter traumhaften Wetterbedingungen, am Sonntag noch einer, den ich eher unter Übungstauchgang verbuchen würde. Der Ozean war recht aufgewühlt, sicher auch wegen der großen Unwetter in Mozambique.

Dir restliche Zeit vergeht hier sehr schnell. Mittlerweile haben wir doch recht viele Menschen kennen gelernt und der baldige Abschied fällt uns jetzt schon schwer. Das kommende Wochenende wollen Steffi und ich im Hluhluwe-Nationalpark verbringen.

Übrigens haben wir hier gerade eine große Hitzewelle. Gestern waren es 37°C im Schatten. Ohne den fast steten Wind vom Meer, wäre es unerträglich.

Die Arbeit im Krankenhaus war heute sehr frustrierend - diverse wichtige Medikamente und Untersuchungsergebnisse waren einfach nicht zu bekommen. Das Schlimme ist, das das alles nur durch mangelndes Organisationsvermögen kommt, nicht etwa durch Geldmangel oder so.

Mittwoch, Februar 21, 2007

Alptraum!!!

So, Zeit mal wieder etwas über die Arbeit im Krankenhaus zu schreiben, z.B. über meine zwei letzten Nächte dort. Erstere habe ich größtenteils in der Notaufnahme verbracht und die vergangene Nacht hatte ich Rufbereitschaft als OP-Assistenz. Die Nacht in der Notaufnahme war diesmal relativ wenig von Gewaltopfern geprägt, aber es war auch kein Wochenende. Es galt jede Menge Babys mit Brechdurchfall zu behandeln, Herzinfarkte zu erraten (die Klebeelektroden fürs EKG waren ausgegangen – Momente in denen man an die Decke gehen möchte), auch Schlangenbisse gab es – diese sind glücklicherweise oft von harmlosen Schlangen. Die anderen Patienten kommen wohl nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus. Da wären wir bei einem ganz großen Problem hier, dem Transportproblem der staatlichen Krankenhäuser. Da kommt nicht unbedingt ein Krankenwagen, wenn man einen Notruf absetzt, so viele gibt’s davon nämlich nicht. Und wenn, kommen sie oft zu spät. Aber auch der Transport von Patienten in Spezialkliniken, nach Hause oder zur Kontrolluntersuchung ein paar Tage später, geht oft schief oder findet erst verspätet statt – sehr frustran. Morgens fährt bei uns immer ein Krankentransport nach Durban in die Unikklinik los, leider oft überfüllt. Das Gefährt ist ein normaler Bus mit gerade mal zwei Liegeplätzen und man kann davon ausgehen, dass die Patienten, die dort mitgeschickt werden durchaus schwerkrank sind. Auch die Betten auf den Stationen reichen oft nicht, deshalb werden in der Notaufnahme auch wirklich nur Patienten eingewiesen, deren Leben akut bedroht ist. Eine Schädelfraktur z.B. welche nicht das Bewusstsein beeinträchtigt, wird zwar noch ein Weilchen beobachtet, geht dann aber bald nach Hause (für die Mediziner: CT gibt’s erst ab GSC 12). Die Wartezeiten in der Notaufnahme betragen oft viele Stunden, es wird eigentlich alles der Reihe nach abgearbeitet. Nur Patienten, die nicht mehr schreien können, werden mitunter vorgezogen. Aber nun genug von diesem Alptraum für Arzt und Patienten. Kommen wir zu meiner Rufbereitschaft. Gegen 3 wurde ich wegen einer Schussverletzung rein gerufen. Wie vermuten, dass es einen Einbrecher getroffen hat. Der Schuss ging einmal quer durch Lunge, Zwerchfell, Magen, Leber und Gallenblase. Die OP hat etwa 4 h gedauert. Der Bluterguss in der Lunge wurde bereits in der Notaufnahme drainiert (wo der Patient schon einige Stunden verbracht hat, bevor sich für eine OP entschieden wurde). Der Magen musste eigentlich neu rekonstruiert werden, es fand eine Leberteilresektion und eine Entfernung der Gallenblase statt. Die letzte Mahlzeit des Angeschossenen musste in der ganzen Bauchhöhle zusammengesucht werden (dummerweise Reis) und natürlich diverse Blutungen gestillt werden. Glücklicherweise standen genug Blutkonserven und ein Bett auf der Intensivstation zur Verfügung. Man bekommt hier also einiges zu sehen, zumal man die einzige Assistenz im OP ist. Übrigens hatte der operierende Arzt noch nicht mal eine Facharztqualifikation – undenkbar in Deutschland. Wir sprechen hier jedoch von einem staatlichen Krankenhaus, jeder Patient bezahlt am Anfang etwa zwei Euro (ein Vermögen für viele hier) und erhält nur das Nötigste. Deutsches Gesundheitssystem hin oder her – in dem Fall ist es mir eindeutig das Liebere!